Pratipaksa Bhavana – Nahrung für den Kopf

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Wenn du noch nach etwas suchst, auf was du dich in der besinnlichen Zeit vor Weihnachten besinnen könntest, dann hab ich etwas für dich: besinn dich auf dich selber. Beobachte dich und mach dir deine Gedanken bewusst! Ich verspreche dir, das ist großes Kino und wird nie langweilig!

Ohne es zu merken sind wir ständig Gefangene unserer eigenen Gedankenmuster und machen uns selber damit unglücklich. Ein erster Schritt diesem Gefängnis zu entkommen ist, sich seiner Gedanken bewusst zu werden, der nächste Schritt damit zu arbeiten. Die Yoga Sutras, die „Bibel“ des Yoga ist voll mit praktischen Tipps, wie man mit seinen Gedanken im Alltag umgehen kann um etwas mehr Glück in sein Leben zu bringen und den negativen Teufelskreis der eigenen Gedanken zu stoppen. Seinen Gedanken zu entkommen ist übrigens das eigentliche Ziel im Yoga, man nennt es auch Erleuchtung, bzw. Samadhi im Yoga oder Nirwana im Buddhismus.

Die Methode, die ich euch vorstellen möchte heißt „Pratipaksa Bhavana“. Patanjali, der Verfasser der Yoga Sutras empfiehlt negative Gedanken durch positive Gedanken auszutauschen. Klingt einfach, ist es auch, man muss es nur machen! Und um es zu machen, muss man sich erst mal seiner Gedanken bewußt werden! Achtsam sein! Ich gebe zu das ist nichts Neues und die moderne Ratgeberliteratur ist voll davon, interessant ist, dass dieser Ratschlag auch schon in Indien vor über 2.000 Jahren gegeben wurde. Es muss also was dran sein und es ist es auf jeden Fall wert es mal auszutesten …

DSC00890Was bedeutet das nun konkret? Jeder kennt die Situation, wenn man sich über jemand ärgern muss. Anstatt sich zu ärgern bedeutet Pratipaksa Bhavana genau das Gegenteil zu tun, was in dieser Situation z. B. Mitgefühl und Verständnis für die andere Person zu entwickeln wäre. Nehmen wir an, du fährst Auto und musst dich über den Fahrer im Auto vor dir ärgern, weil er deiner Meinung nach zu langsam fährt. Was passiert? Deine Gedanken kreisen non-stopp um das „blöde Arschloch“ vor dir! Aber nicht nur deine Gedanken werden unruhig und negativ, sie haben auch Auswirkungen auf deinen Körper, du regst dich auf, was bedeutet: du atmest schneller und flacher, dir wird heiß, dein Herz schlägt schneller, dein Puls geht schneller, du bist gereizt und unruhig. Das ist der Moment, in dem du achtsam werden kannst und kurz innehalten kannst. Atme und beobachte, wie störend es ist und wie ungut sich der Ärger anfühlt und versuche dann deine Gedanken auf etwas Gegenteiliges zu konzentrieren. Du könntest z. B. Verständnis für den Fahrer vor dir aufbringen. Vielleicht ist es ein Fahranfänger? Waren wir nicht alle mal Fahranfänger? Vielleicht fährt sein Auto auch nicht schneller? Genau diese Situation hatte ich mit meinen alten Corsa des öfteren auf der Autobahn :-) Vielleicht genießt der Fahrer auch einfach nur seine Fahrt, schaut sich die vorbeifliegende Landschaft an und ist nicht in Eile. Freu dich für  ihn, dass er das seltene Glück hat nicht in Eile zu sein. Du kannst auch Dankbarkeit für den Fahrer entwickeln und ihm dankbar sein, dass er dir ein Zeichen gegeben hat zu entstreßen, im wahrsten Sinne des Wortes einen Gang runter zu schalten und in diesem Moment präsent zu sein. Beobachte wie dein Körper und dein Kopf reagiert, wenn du ihn austrickst und das Gegenteil denkst. Beobachte was passiert. Du wirst überrascht sein …

DSC00892Wenn es dir schwer fällt an das Gegenteil zu denken, kannst du auch versuchen, die Situation zu ändern, in dem du entweder den Ort wechselst oder etwas Positives tust. In unserem Fall wäre das z. B. dein Lieblingslied einschalten, die Route wechseln, an etwas positives denken, z. B. worüber du das letzte Mal gelacht hast… Egal was, mach irgend etwas Positives, das dich aus den negativen Gedankenkarussel bringt. Wenn wir uns über Jemand aufregen, wütend sind und uns ärgern ist das, als ob wir selber Gift trinken würden und erwarten dass der andere daran stirbt.

Hör auf dich selber innerlich mit negativen Gedanken zu vergiften!
Negative Gedanken und auf Gedanken folgen meistens auch Taten haben nur ein Ergebnis sie schaden dir langfristig und fügen dir selber Leid zu. Pratipaksa Bhavana beinhaltet auch, dass du dir vor Augen führst, welche Konsequenzen es hat, wenn du in den negativen Gedanken verharrst. Um auf unser Beispiel zurück zu kommen, bleibst du in deinem Ärger, über den Fahrer vor dir kann es passieren, dass du z. B. aus Ärger und Ungeduld zu nah auffährst und am Ende einen Unfall verursachst, du eine sehr eingeschränkte Wahrnehmung hast und die tolle Landschaft rechts und links nicht wahrnimmst oder wenn du am Ziel ankommst, bei anderen Leuten deinen Ärger ablädst, die mit der eigentlichen Situation gar nichts zu tun haben.

Pratipaksa Bhavana ist eine Methode, dich selbst zu beobachten und dir vor Augen zu führen es gibt auch andere Möglichkeiten zu reagieren, nämlich mit dem Gegenteil:

  • Ärgert dich jemand, reagiere mit Verständnis und Mitgefühl!
  • Hast du vor etwas Angst, reagiere mit Mut!
  • Denkst du andere denken schlecht über dich, stell dir vor, sie denken gut über dich!
  • Denkst du selber schlecht von dir, fange an gut über dich zu denken!
  • Lästerst du gerne, rede gut über andere!
  • Anstatt zu lügen, sag die Wahrheit oder schweig!
  • Ist das Glas halb leer für dich, sieh, dass das Glas halb voll ist!
  • Anstatt eine Person zu verletzen, mach der Person eine Freude!
  • Magst du eine Person nicht, entwickle Mitgefühl für diese Person!
  • Anstatt dein Kind zu schimpfen, finde etwas es zu loben!
  • Bist du geizig, gib freigiebig und mit ganzen Herzen, z. B. dem Bettler auf der Straße!
  • Bist du gestresst, komm zur Ruhe! Z. B. in dem du dir einen einen leckeren Chai kochst und in Ruhe genießt oder einen kurzen Spaziergang machst!
  • Anstatt einen nervenaufreibenden Actionfilm im Fernsehen anzuschauen oder im Internet zu hängen, nutze deine Zeit und meditiere, treff Freunde, spiel ein Spiel mit der Familie oder lies ein inspirierendes Buch!

Pratipaksa Bhavana zielt darauf ab, dir deine eigenen negativen Verhaltensmuster und Gedanken bewusst zu machen und durch positive gegenteilige zu ersetzen. Die Methode macht dir bewußt, dass es auch andere Möglichkeit gibt in bestimmten Situationen zu reagieren. Oder sogar oft zu agieren anstatt zu reagieren! Zugegeben, manchmal ist es einfacher, manchmal schwieriger. Der erste wichtige Schritt ist, dass du überhaupt anfängst dir über dich und dein alltägliches Verhalten bewußt zu werden und dir darüber Gedanken machst! Beobachte was passiert, wenn du anstatt in negativen Emotionen in positive umschaltest…

Probier es aus! Und laß mich deine Erfahrungen wissen!

Ich wünsche dir eine besinnliche und bewusste Vorweihnachtszeit!

Du kannst alles gelesene vergessen, bis auf:

Mach das (positive) Gegenteil! 

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